1.Männer

Fortuna ausgekontert

Landesklasse: Lok Potsdam - Fortuna Babelsberg 2:1 (1:0)

"Hochspannung" herrschte schon vor dem Spiel, denn nur wenige Meter von der Heimstatt der Lok-Elf, dreht Steven Spielberg mit Hauptdarsteller Tom Hanks einen Agententhriller an der Glienicker Brücke. Aber auch fußballerisch herrschte Spannung vor diesem ersten Ortsderby, das beide Teams erstmals auf Landesebene gegeneinander führte und trotz des kalten Wetters fanden viele Gästeanhänger den Weg in die Berliner Straße und gewannen vorab klar das Duell "Wer hat mehr Fans?".

Das Spiel begann wie erwartet. Fortuna versuchte wie gewohnt, spielerisch und mit viel Ballbesitz Kontrolle auszuüben. Lok stand massiv und tief, setzte auf überfallartige Konter. Von Beginn an war klar, hier treffen zwei unterschiedliche Spielsysteme und Taktiken aufeinander. In der 5.Minute, praktisch mit dem ersten Angriff der Hausherren, wie aus dem Nichts die Führung. Adrian Blei tauchte links vor dem Fortuna-Tor auf, war fast schon seitlich abgedrängt, schoss aber reaktionsschnell mit der "Piecke" zum 1:0 ins lange Eck. Das passte in das Gastgeberkonzept und die Gäste sahen sich nun einem Bollwerk gegenüber. Immer wieder versuchten sie dies über die Flügel oder mit Dribblings, Doppelpässen und Fernschüssen zu überwinden, der Ausgleich aber wollte nicht fallen und auf die Konterstärke der Hausherren musste trotz Offensive jederzeit geachtet werden. So wäre in der 20.Minute fast schon eine Vorentscheidung gefallen, als nach einem weiten Schlag über die aufgerückte Abwehr der Gäste erneut Adrian Blei allein auf das Tor zulief, auch Torhüter Marco Jung noch ausspielte, aber der zurückgeeilte Lars Fuhrmann konnte im letzten Moment auf der Linie klären. Die Lok-Konter erwiesen sich als eminent gefährlich, trotzdem versuchte Fortuna mit offensiver Spielweise das Glück zu zwingen. Fast wäre es in der 27.Minute gelungen, aber der Schuss von Hans Peter Franke aus gut 25 Metern klatschte nur an die Latte. Ein Tor hätten sich die Gäste auf Grund ihrer größeren Spielanteile sicher verdient gehabt, aber die Hausherren verteidigen massiv und geschickt. Mit ihrem blitzschnellen überfallartigen Umkehrspiel setzen sie immer wieder einzelne, aber kreuzgefährliche Nadelstiche. So in der 34.Minute, als Dennis Weber der "offensiv" und hoch stehenden Fortuna-Abwehr enteilte, aber an Marco Jung im Tor scheiterte. Eine Minute vor dem Pausenpfiff das gleiche Szenario, erneut entwischte Dennis Weber auf der rechten Seite, seine präzise Eingabe jagte aber der mitgelaufene Jonathan-Philipp Carlin aus 12 Metern über das Tor. Fortuna hatte zwar bis dahin viel Druck ausgeübt, war aber in der torgefährlichen Zone letztendlich zu wenig abgezockt oder es fehlte das Quäntchen Glück.

Nach dem Pausentee das gleiche Bild, Lok setzte auf Defensive und Konter, Fortuna auf noch mehr spielerische Offensive und diese wäre fast belohnt worden, als sich in der 50.Minute Patrick Wolff auf rechts durchsetzte und seine Flanke den ungedeckten Tony Zimmermann am Elfmeterpunkt erreichte, sein schulmäßiger Kopfball gegen die Laufrichtung des Torhüters verfehlte aber das Gehäuse um Zentimeter. Nur 3 Minuten später kontern die Gastgeber und haben Pech, als ein Schuss von einem fast auf der Torlinie liegenden Fortuna Abwehrspieler mit dem Körper noch geblockt wurde. Knapp eine Stunde war gespielt, da setzte sich erneut Patrick Wolff rechts durch, schob den Ball an Torhüter Robert Reißner, aber auch am langen Pfosten vorbei. Das Spiel nahm an Spannung zu, denn die Gäste übten nun noch mehr Druck aus, wurden noch spielbestimmender. Zeitweise sind alle 11 Lok-Akteure in der eigenen Hälfte mit Abwehrarbeit beschäftigt, trotzdem gelingt Fortuna in dieser Phase kein Tor. Die größte Chance hatte Denny Schwabe in der 69.Minute, als er einen abgewehrten Ball am Elfmeterpunkt erhält, aber für einen Moment meinte, das Spiel sei unterbrochen und erst im letzten Moment seinen Irrtum erkannte. Inzwischen bedrängt, ging sein Schuss nur an die Querlatte. Aluminiumtreffer zwei für Fortuna an diesem Tag. Das auslassen der Chancen sollte sich, wie so oft im Fußball, rächen. In der 71. Minute erneut ein weiter Pass der Gastgeber über die aufgerückte Gästeabwehr zu Dennis Weber und im Duell mit dem Fortuna-Keeper behielt er die Nerven und schoss zum 2:0 ein. Ein wenig war der Spielverlauf schon auf den Kopf gestellt, allerdings waren die Konter der Gastgeber gegen die sehr offensiv agierende Gästeverteidigung auch hervorragend gespielt. Nun setzt Fortuna alles auf eine Karte und riskiert dabei weitere Kontertore zu fangen.So in der 83.Minute, als Dennis Weber erneut auf der rechten Seite frei durchlief und nur Stefan Geißler den Einschlag verhindert, indem er sich mit dem ganzen Körper in den Schuss warf, dabei prallt er mit dem Pfosten zusammen und musste verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Fortunas stetes, aber bisher vergebliches Anrennen wurde in der 89.Minute durch den insgesamt gut leitenden Schiedsrichter Rene Papajewski "belohnt". Als Tony Zimmermann im Strafraum von den Beinen geholt wurde, zeigte der Unparteiische zu Recht auf den Punkt. Robert Jenner verwandelt sicher zum 2:1 Anschlusstreffer. Zu spät, um wenigstens noch einen Punkt mitnehmen zu können. Selbst das auftauchen des Gäste-Keepers im gegnerischen Strafraum brachte keine Wende mehr und so feierten die Hausherren einen knappen, allerdings auch ein wenig glücklichen Sieg. Beim Fußball zählen nun einmal die erzielten Tore, nicht der Ballbesitz und die Spielanteile. Für Lok Potsdam sind die 3 Punkte Gold wert, will man doch aus dem unteren Tabellendrittel heraus. Fortuna indes vergab die Chance, auf einen Punkt an Spitzenreiter Wittstock (im Freitagabendspiel nur 3:3) heranzurücken.