1.Männer

Zu Neunt zum Sieg

Landesklasse: Fortuna Babelsberg - MTV Wünsdorf 1910  2:1 (1:0)

Beim Spiel des Tabellenfünften gegen den –sechsten erwartet man üblicherweise gute Spielzüge gepaart mit taktischer Disziplin und kein Spiel, bei dem es gelbe Karten im Dutzend regnet. Wünsdorf hatte 8 Spiele lang nicht verloren und so war Fortuna gewarnt. Das Spiel begannen die Gäste zunächst „vorsichtig“ um zu sehen, was der Gastgeber zu bieten hatte. Dass dieses Match allerdings zu einem spannenden Fußballkrimi werden sollte, ließ sich in den ersten Minuten nicht erahnen.

Fortuna übernahm von Beginn an optisch das Spielgeschehen, denn Wünsdorfs Trainer Markus Wolff hatte seinen Spielern bewusst erst einmal Defensive vor Offensive verordnet. Fortuna erspielte sich mit Offensivaktionen die eine oder andere Chance, die aber zunächst alle nicht zwingend waren, da die Bälle einen Tick zu lang, zu scharf oder zu ungenau gespielt wurden. So fand sich immer noch ein Verteidigerbein, das Schlimmeres verhinderte.

In der 17.Minute begann dann eine, bis dahin unerwartete Spielentwicklung, als ein Wünsdorfer Spieler sehr viel Glück hatte, nachdem er sich nach einem Foulspiel nicht im Griff hatte und seinen Gegner in einer Art Revanchefoul mit beiden Händen umstieß. Dies wäre durchaus auch als Tätlichkeit wertbar gewesen. Schiedsrichter Rene Papajewski beließ es bei Gelb für beide Sünder bewenden und ahnte zu diesem Zeitpunkt wohl nicht, dass er im weiteren Spielverlauf eine „Kartenflut“ auslösen würde. In der 21.Minute dann die erste Großchance für die Gastgeber, als Markus Goede rechts Denny Schwabe bedient, der bis zur Grundlinie durchläuft und mit einem Rückpass den einlaufenden Daniel Ziemann bedient, dessen Schuss aber um Zentimeter am Pfosten vorbeigeht. Nur zwei Minuten später spielen sich Stephan Tauscher und Denny Schwabe erneut rechts durch die Abwehr, aber ein Verteidiger blockt im letzten Moment den Abschluss. Auch weitere Fortuna-Chancen finden keinen zählbaren Erfolg. Wünsdorf hat in der Offensive kaum nennenswerte Chancen, zu gut steht bis dato die Defensive des Gastgebers. In der 36.Minute beginnt dann ein weiterer „Knackpunkt“ dieses Spieles, als zunächst 4 Fortunen die Abwehr der Wünsdorfer überlaufen und Stephan Tauscher an der Grundlinie sich fast aussuchen kann, auf wen er den Rückpass der, vor dem Tor lauernden Mitspieler ablegen soll, aber der einzige Verteidiger inklusive Torwart können die Hereingabe noch so ablenken, dass alle 3 Fortunen in`s Leere laufen. Während sich alle Spieler und Anhänger noch die Haare raufen, nutzt dies der Gast um einen schnellen Konter zu spielen. Mit einem sogenannten taktischen Foul stoppt Daniel Ziemann im Mittelfeld dieses Vorhaben und sieht dafür Gelb/Rot. Rund 60 Minuten muss Fortuna nun mit 10 Spielern auskommen und die kleinen Nicklichkeiten auf beiden Seiten nehmen zu. Das Schiedsrichtergespann ist unerbittlich, verteilt Karten auf beiden Seiten. Als dann in der 41.Minute Denny Schwabe im Strafraum gefoult wird, lässt sich Markus Goede die Elfmeterchance zur verdienten 1:0 Führung der Hausherren nicht entgehen. Das ist auch gleichzeitig der Pausenstand. Nach dem Wechsel ändert der Gast seine abwartende Strategie, schließlich ist Fortuna nur zu Zehnt. Jetzt erarbeitet sich auch der Gast seine ersten hochkarätigen Chancen.

Die wohl größte bis dahin in der 57.Minute, als der schnelle Tino Briesenick auf halblinks der Fortuna-Abwehr enteilt, aber seine maßgenaue Eingabe jagt Florian Miegel aus 4 Metern über das leere Tor. Fortuna setzt auf Konter und hätte in der 62.Minute fast Glück gehabt, als Torhüter Helge Schiege einen weiten Freistoß von Robert Jenner nicht festhalten kann und der Ball Markus Göde vor die Füße fällt, dessen Lupfer über den Torhüter, aber auch knapp über die Latte geht. In der 66.Minute dann der Ausgleich, als erneut Tino Briesemeister mit seiner Schnelligkeit nicht von der Abwehr zu stellen ist. Als Sebastian Pecht am Boden einrutschend versucht die Eingabe zu blocken, nimmt der Stürmer die Einladung dankend an und „stolpert“ über den Abwehrspieler. Den fälligen Strafstoß verwandelt Kevin Banicke sicher zum 1:1 Ausgleich. Nun muss man um Fortuna fürchten, denn Wünsdorf will mehr und als in der 71.Minute Kevin Böger einen weiten Flugball in die Schnittstelle der Abwehr technisch gekonnt mit der Brust mitnimmt, steht er 10 Meter allein vor Torhüter Marko Jung, sein Gewaltschuss geht aber über das Tor. Trotz Unterzahl spielt Fortuna weiterhin gefährlich nach vorn, so z.B. in der 75.Minute, als Denny Schwabe lang geschickt wird, aber Torhüter Schiege um Bruchteile von Sekunden eher am Ball ist. Nur 2 Minuten später wird ein Angriff über links wunderbar ausgespielt, als das Spielgerät, wie beim Handball, am 16 Meterraum über die Stationen Zimmermann, Tauscher, Höhlich auf halbrechts zum freistehenden Denny Schwabe kommt, der mit einem satten Schuss in`s lange Eck die 2:1 Führung für die Gastgeber erzielt. Jetzt herrscht so etwas wie Hochspannung bei den knapp 100 Zuschauern, denn auch die Verteilung der gelben Karten auf beiden Seiten hatte sich fortgesetzt und mehrere Spieler beider Seiten laufen Gefahr Gelb/Rot gezeigt zu bekommen. Dies trieft dann in der 81.Minute erneut Fortuna, als Hans-Peter Franke nach einem „Allerweltsfoul“ an der Seitenlinie vorzeitig zum duschen geschickt wird.

Nun "mutierte" das Spiel zum Krimi, denn der Gastgeber wehrte sich zu Neunt und der Gast will mit Macht den Ausgleich erzielen. Jetzt herrscht Fußball-stimmung pur auf dem Sternsportplatz. Während weitere gelbe Karten verteilt werden, gibt es noch Aufreger auf beiden Seiten. So, als Tony Zimmermann in der ersten Nachspielminute einen Einwurf von Stepahn Tauscher aus der Luft verlängert, aber Helge Schiege im Wünsdorfer Tor noch die Fingerspitzen an den Ball bekommt. Fast im Gegenzug (90. +2) kommt nach einem Eckball, bei dem alle verbliebenen 20 Akteure im oder am Fortuna-Strafraum stehen, Daniel Fuchs 6 Meter vor dem Tor zum Schuss, aber auch der geht, zum Glück aus Sicht der Gastgeber, über die Latte. Danach ist das Spiel noch nicht zu Ende und obwohl Schieri Papajewski nur 3 Minuten Nachspielzeit angezeigt hat, wird nicht abgepfiffen. Weitere Minuten, mit Torszenen auf beiden Seiten vergehen, ehe der Gastgeber jubeln kann, während die Wünsdorfer mit hängenden Köpfen dastehen. Ob dieses Spiel wirklich 12 gelbe Karten (6 auf jeder Seite) und dazu noch 2 x Gelb/Rot verdient hat, erschließt sich Zuschauern und den beiden Teams auch nach dem Spiel nicht wirklich. Es war ein umkämpftes und in der Dramatik äußerst spannendes Spiel. Umso erfreulicher, dass beide Fangruppen, die Spieler beider Mannschaften und auch die Verantwortlichen noch lange nach dem Spiel im freundschaftlichen Gesprächen beieinander standen.