1.Männer

Sehr schwer getan

Landesklasse: Fortuna Babelsberg - SG Großziethen  3:2 (2:1)

Ende gut, alles gut?! Kann man nach den 90 Minuten sowohl mit einem Ausrufezeichen, aber auch mit einem Fragezeichen versehen. Drei Punkte sind eingefahren und das ist gut und wichtig. Allerdings treibt das "Wie?" dem Trainergespann einige Sorgenfalten auf die Stirn.

Alles läuft zunächst wie erwartet, denn nach kurzem abtasten übernimmt Fortuna das Spielgeschehen und hat mehr Ballbesitz. Bereits nach 4 Minuten muss Nils Mullert im Großziethener Tor sein ganzes Können aufbieten, als Tony Zimmermann von links flankt und Sebastian Michalske aus 16 Meter mit einem "Knaller" den Ball Richtung Dreiangel schickt. In der 8. Minute ist es dann soweit, im Mittelfeld erobert Jean Waide den Ball und mit einem mustergültigen Pass in die Nahtstelle der Viererkette schickt er Denny Schwabe halbrechts auf die Reise, der den Ball gekonnt im langen Eck zum 1:0 unterbringt. Fortuna ist "in der Spur" dachten nun wohl Alle, denn weitere gefährliche Angriffe werden in Richtung gegnerisches Tor vorgetragen. Großziethen spielt gefällig, kann aber bis dato keine wirklich gefährliche Torchance verzeichnen. Praktisch "aus dem Nichts" fällt in der 19.Minute das 1:1 durch Steven Müller. Ein langer Ball wird von die Innenverteidigung falsch eingeschätzt und der Torschütze lässt auch Rene Oschmann mit einem scharfen Schuss aus 8 Metern in`s kurze Eck keine Abwehrchance. Zum Glück ist Fortuna nicht lange geschockt, sondern sucht weiter den Torerfolg und bereits 4 Minuten später versenkt erneut Denny Schwabe aus Nahdistanz einen, von Jean Waide getretenen Eckball im Großziethener Gehäuse zur 2:1 Führung. Alles war wieder gut! Beide Teams behalten auch in der Folge ihre Linie bei. Fortuna versucht Druck aufzubauen, Großziethen setzt auf nadelstichartige Konter. In der 32.Minute erlebten die Zuschauer dann eine Szene, die wohl als ganz großes Fairplay zu bezeichnen ist. Sebastian Michalske läuft durch die Großziethener Abwehr und wird, für alle vermeintlich klar sichtbar, im 16-Meterraum von den Beinen geholt. Schiedsrichter Jens Granat entscheidet auf Strafstoß. Sebastian Michalske erklärt ihm aber in einem kurzen Gespräch, dass kein Foul vorgelegen hat und so wird die Entscheidung zurückgenommen. Eine tolle und faire Geste des erfahrenen Torjägers, die wohl auch in der Bundesliga dem Einen oder Anderen gut zu Gesicht stehen würde. Dass er damit das Spiel bis zum Schlusspfiff spannend macht, ahnte wohl Niemand zu diesem Zeitpunkt. Bereits 3 Minuten später zeigt er sein Können mit einem schönen Drehschuss aus 16 Metern, den Großziethens guter Torhüter Nils Mullert aber entschärfen kann. Zweimal ist der Ball in der Folge noch in Großziethens Tor, aber beide Male erkennt das Schierigespann auf Abseits. Danach verflacht das Spiel etwas, denn beide Defensivreihen lassen nur noch wenig zu. Nach der Halbzeitpause tritt Großziethen selbstbewusst auf und überrascht damit den Gastgeber. Es werden einige schöne Angriffe vorgetragen und gut mitgespielt. Fortuna ist irgendwie nicht richtig präsent. Zwar gibt es nach wie vor Torchancen, aber so richtig souverän sieht das nicht aus. Großziethen ist (fast) ebenbürtig, da sich Fortunas Spieler schwer tun. Das hatten sich wohl Einige von ihnen leichter vorgestellt und bekommen nun den Schalter im Kopf nicht umgelegt. Die herausgespielten Chancen werden (wie so oft) vergeben. So auch in der 49.Minute, als nach einer Flanke von Tony Zimmermann weder Sebastian Michalske noch Denny Schwabe den Ball über die Linie bekommen. Großziethen fightet (5 x Gelb), muss aber als Folge in der 52.Minute eine Gelb-Rote Karte hinnehmen. Die Unterzahl scheint aber ihre Moral zu stärken, während die Fortunen glauben, dass es doch nun ein Selbstläufer werden müsste. Anders lässt sich die Spielweise in den folgenden Minuten nicht erklären. Die Quittung folgt nur wenige Minuten später (57.). Erneut steht die Abwehr bei einem langen Ball, der mit Rückenwind unterwegs ist, schlecht aus und so kann Ali Berjaoui allein auf Rene Oschmann zulaufen. Dieser ist zwar Bruchteile von Sekunden eher am Ball, kann ihn aber nicht festhalten, so dass der Ball Berjaui wieder vor die Füße springt. Unbedrängt schiebt er ihn in das leere Tor.

Nun zieht sichtliche Unruhe bei Fortuna ein. Angriffe bleiben Stückwerk oder werden nicht souverän zu Ende gespielt. In der 64.Minute hat dann doch Tony Zimmermann die 100 %-Möglichkeit zur Führung auf dem Fuß, als sich Jean Waide und Denny Schwabe mit einem Doppelpass halblinks mustergültig durch die Abwehr spielen und den, am 5 Meter-raum völlig freistehenden Tony Zimmermann bedienen, der aber (vermutlich von der tiefstehenden Sonne geblendet) den Ball nicht richtig kontrollieren kann und ihn volley über die Latte jagt, statt ihn einfach nur einzuschieben. Auch in der 77.Minute bleibt es beim 2:2 als Denny Schwabe eine Ecke per Kopfball nur um Zentimeter am Dreiangel vorbeiköpft. Und die Minuten verrinnen! Fortuna zeigt nun endlich Charakter und bäumt sich gegen den drohenden Verlust von 2 fest eingeplanten Punkten auf, während 10 Großziethener tapfer um den einen Punkt kämpfen und (vielleicht sogar) auf das „Wunder eines Sieges“ hoffen. Das gibt ihnen Kraft und macht es unseren Jungs noch schwerer. Fortuna drückt nun und in der 88. Minute zieht der eingewechselte Robert Jenner in gewohnter Manier aus 22 Meter ab, sein Schuss klatscht aber nur an die Torlatte. Es wird zunehmend ein Spiel auf ein Tor. Das eine Team versucht verzweifelt das entscheidende Tor zu erzielen, das andere Team, genau dies zu verhindern. Nun kann nur noch die Brechstange helfen. Und sie hilft!! Es ist bereits die erste Nachspielminute, als der Ball erneut in den Großziethener Strafraum geschlagen wird, mehrere Spieler versuchen sich zunächst vergeblich im erfolgreichen Torschuss und letztendlich ist es Robert Jenner, der den Ball durch Freund und Feind zum 3:2 in Maschen befördert. Der Jubel auf Fortuna-Seite kennt keine Grenzen, ebenso das Entsetzen auf Großziethener Seite. Noch ist aber nicht Schluss, denn Schiedsrichter Jens Granat (der mit seinem Team eine gute Partie ablieferte) lässt zu Recht einige Minuten nachspielen. Als Großziethen in der 90.+ 4 Minute noch einem Freistoß kurz hinter der Mittellinie erhält, versammeln sich alle Spieler (inklusive Torhüter) im Fortuna-Strafraum und als nach Gestochere und Schussversuchen der Ball sogar noch an die Torlatte geht, hat Fortuna viel, viel Glück. Dann ist Schluss und die Freude auf Fortuna-Seite groß, während Großziethens tapfer kämpfende Spieler total enttäuscht zu Boden sinken. Fortunas Sieg ist auf Grund der höheren Spielanteile und Chancen sicher gerecht, aber was ist im Fußball letztendlich schon gerecht?

Fazit: Ein Spiel, bei dem sich die Mannschaft sehr schwer getan hat und es versäumte, rechtzeitig den Sack zuzubinden. Auffallend dabei, dass der Eine oder Andere  nicht seinen besten Tag erwischt hatte. Vor allem aber, dass die Abwehr in einigen Situationen doch ziemlich allein gelassen wurde, denn wenn 6 Fortunen bei Großziethener Angriffen in deren Hälfte verweilen bzw. nur im leichten Joggingtempo zurückeilen, ist das keine Hilfe für die eigene Defensive. Hier sei die Frage erlaubt, ist dies nun taktisch falsches Verhalten, Unterschätzung des Gegners oder fehlt dem Einen oder Anderen die Kondition auf Grund mangelnder Trainingsbeteiligung?